(Un)selbständig als Freelancer!
Kategorie: geld verdienen
Wir haben uns entschieden, euch zum Thema Freelancing noch einige Ergänzungen zu bieten und auch mal eine andere Perspektive auf das ganze zu werfen, weshalb Clemens netter weise als Gastblogger diesen Artikel für euch verfast hat. Dafür schon mal ein Dankeschön an dieser Stelle.
(Un)selbständig als Freelancer!
DI (FH) Clemens Gull
Im Laufe der Jahre als Lehrer für webDesign stellten mir die Schüler und Schülerinnen immer wieder die Frage was man für eine Stunde Arbeit verlangen kann. Auch habe ich bemerkt, dass die meisten den Preis für eine Stunde nicht richtig berechnen können und sich entweder unter ihrem Wert verkaufen oder geradewegs in die Pleite steuern. Ansonsten kann ich mir manche Preisvorstellungen die man bei den verschiedensten Netzwerken wie Xing oder LinkedIn findet, nicht erklären. Daraus ist der Freelancer-Rechner entstanden.
Zuerst dachte ich an eine einfache Linkliste und ein paar Tipps wie man sich seinen Stundenpreis ausrechnet. Aber beim Surfen wurde mir bewusst: So einfach ist das nicht. Die meisten sind Graphiker, Designer, Künstler und Zahlen sind nicht ihre Freunde.
1. Das Netzwerk
Die meisten Freelancer gehen schon mit der falschen Einstellung in die Selbständigkeit: Hier bin ich liebe Kunden und ich bin der Beste! Also bucht mich. Leider hilft das Abschlusszeugniss, das Diplom bei den Kunden gar nichts. Die wollen Referenzen, ein Portfolio sehen. Aber welcher Designer hat während der Ausbildung an ein Portfolio gedacht. Dann ist das nächste Problem: Niemand kennt mich. Klar woher sollen die Kunden wissen, dass es Dich gibt? Du musst Dir einerseits Referenzen aufbauen und andererseits “Networking” betreiben. Die einfachsten Dinge liegen sehr nah, aber genutzt werden sie während der Ausbildung nicht. Man kann sich bei Twitter beteiligen , man kann seinen eigenen Blog betreiben oder sich bei einem bestehenden beteiligen (Arial 11zum Beispiel sucht immer Autoren), man kann bei Xing Mitglied werden. Aber auch der lokale Sportverein, Trachtenverein, die Freiwillige Feuerwehr, was auch immer sind Plätze zum netzwerken. Auch der regelmäßige Besuch in einem Cafe oder einer Bar hilft. Man muss mit den Leuten reden und sich so Bekanntschaften aufbauen. Erst dann werden die Kunden kommen.
2. Die Kosten
Bei den Kosten für das Geschäft sind einige Stolpersteine versteckt. Oft nimmt man nur die Büromiete und das war es schon. Aber im Büro verwendet man auch den Computer, Licht, die Kaffeemaschine und so fort. Der Stromverbrauch ist nicht zu verachten, denn ein Standardcomputer verbraucht locker zwischen 300 und 500 Watt und da kommt über das Jahr gesehen einiges zusammen.
Auch die Transportkosten werden gerne übersehen. Das Auto wird ja so oder so bezahlt und die Zeit um zum Kunden zu fahren muss halt sein. All diese kleinen Dinge summieren sich über das Jahr zu hunderten Euros.
Bei der Ausstattung des Büros, egal ob Sessel, Tisch oder Computer, lügen sich Anfänger gerne in die eigene Tasche. Denn wenn man von zu Hause arbeitet, hat man ja alles. Leider wird das was man hat auch irgendwann kaputt und dann muss man es neu kaufen. Gerade das Thema “Abschreibung” ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Dies habe ich in den Freelancer-Rechner eingebaut, damit man sich darüber keine Gedanken machen muss. Das einzige was man als Freelancer wirklich machen sollte ist die am Ende empfohlene Quote für die Abschreibung zur Seite legen und ja nicht anrühren. Denn sonst beginnt nach ca. drei Jahren ein Teufelskreis.
3. Der Teufelskreis
Die meisten Freelancer freuen sich am Anfang der Karriere ja über jeden Auftrag. Warum auch nicht? Nur vergessen sie leider den Preis auch richtig zu berechnen. Oft ist am Ende des Geldes dann zuviel Monat übrig. Oder im “Hotel Mama” muss ja nichts bezahlen und der ganze Verdienst wird wieder ausgegeben.
Gerade bei der Abschreibung rächen sich solche Vorgehensweisen. Denn nach ungefähr drei Jahren ist der Computer defekt oder der Drucker macht Flecken, oder, oder, oder. Jetzt wird der nächste Auftrag hergenommen um sich ein neues Gerät zu kaufen. Das Geld für die Neuanschaffung fehlt aber beim Bezahlen der Miete oder beim Volltanken des Autos. Daher wird wieder ein Auftrag angenommen, oft unter dem Preis den man errechnet hat, nur um die Miete zu bezahlen. Jetzt fehlt nicht nur Geld, sondern auch noch Arbeitszeit. Daher wieder so eine Notfallaktion und wieder eine, und gleich darauf die nächste. Das steht man ein halbes Jahr, vielleicht auch ein ganzes Jahr durch. Aber dann ist es vorbei und man muss mit der Firma aufhören.
4. Das Leben
Auch hier denken die meisten nicht nach. Das Wort “selbstständig” setzt sich aus zwei Teilen zusammen “selbst” und “ständig”. Und genau das macht ein Freelancer: Er arbeitet für sich selbst, aber auch ständig. Am Anfang ist es oft schwer Kunden und Aufträge zu erhalten und man muss sich erst Referenzen aufbauen. Durch die Dauerbelastung leidet nicht nur das Privatleben und der Freundeskreis, sondern auch die Gesundheit. Man ist einfach anfälliger für Krankheiten. Auch an das denken die wenigsten: Wenn man krank ist kann man nicht arbeiten und daher gibt es auch kein Einkommen. Gerade die Betriebsunterbrechnungsversicherung kostet einiges und lange braucht man sie nicht. Aber wenn man wirklich mal zwei, drei Wochen nicht arbeiten kann, ist man glücklich Geld von der Versicherung zu bekommen.
Die Haftpflichtversicherung ist auch ein Stiefkind bei den Gründungsgedanken. Man glaubt einfach nicht, dass man etwas falsch machen kann und wie sensibel Kunden darauf reagieren. Eine falsche Formulierung, einmal ein Markenrecht nicht beachtet oder schnell ein Photo aus dem Internet heruntergeladen. Schon flattert die erste Unterlassungsklage ins Haus. Da ist es gut wenn eine Haftpflichtversicherung einspringt.
5. Die Links
Trotz aller Tipps und Tricks kommt es auf zwei Dinge an: Auf Disziplin und harte Arbeit und auf gute Informationen und Links. Daher habe ich einige Links zusammengestellt, die einem Anregungen zur Selbständigkeit und auch zum Beruf des Designer geben:
10 Dinge die du nicht in der Design-Schule lernst
12 nützliche OpenSource Produkte für Designer
Ressourcen für Webdesigner
Gründungsservice.at
Kalkulations Tipps
MBPW.de
Darlehnschecker
Saleschecker
Haushaltsbuch
Arbeitszeiterfassung
Rechnungssoftware
Tipps für Kleinunternehmer
USF.edu
Versicherungen für Media Agenturen
Freelancermap
Jupiterimages
Public Domain Photos
Pixelio
Daeng2k
Freephotoshop
123Freevectors
Colors on the Web
Solltet ihr noch Fragen an Clemens haben, könnt ihr ihn auch über Twitter erreichen.
Euer netheweb.de Team und Clemens Gull
Gepostet am: 6. 4. 2009

